
Die Dokumentation
Der Sandiganbayan, das Sondergericht der Philippinen für Korruptionsdelikte, sieht hinreichenden Tatverdacht, um dem früheren Präsidenten des Repräsentantenhauses Martin Romualdez wegen Plünderung öffentlicher Mittel („plunder“) den Prozess zu machen. Es geht um mutmaßliche Schmiergelder bei staatlichen Infrastrukturprojekten, überwiegend im Hochwasserschutz. Laut OCCRP, das am 8. September 2026 über die Festnahme berichtete, beziffert die Anklage die zwischen 2022 und 2025 von Bauunternehmen kassierte Summe auf 7,44 Milliarden Pesos, rund 118 Millionen Dollar.
Romualdez ist ein Cousin ersten Grades von Präsident Ferdinand Marcos Jr. und vertritt weiterhin den ersten Wahlbezirk von Leyte im Repräsentantenhaus. Als Parlamentspräsident trat er im September 2025 zurück, als sich der Skandal um den Hochwasserschutz ausweitete. Nach Angaben von OCCRP wurden die Haftbefehle gegen alle vier Angeklagten ohne Kautionsempfehlung erlassen.
Was das Gericht entschied
Die Dritte Kammer des Sandiganbayan fasste ihren Beschluss im Verfahren E-SB-26-CRM-0074 am 7. September 2026. Das einseitige Dokument hält fest, dass die Ombudsstelle in einem Beschluss vom 4. September vier Personen wegen Plünderung nach Abschnitt 2 des Gesetzes Nr. 7080 angeklagt hat: Romualdez; Elizaldy „Zaldy“ Co, früherer Listenabgeordneter von Ako Bicol; Joselyn Tragua Serenio; und Felicito Cristobal Guevarra.
Nach Prüfung des Ombudsstellen-Beschlusses und der Unterlagen bejahten die drei Richter einen hinreichenden Tatverdacht, erließen Haftbefehle gegen alle vier und verhängten ein Ausreiseverbot. OCCRP beschreibt Serenio als persönliche Assistentin von Romualdez und Guevarra als Präsidenten eines Devisenunternehmens.
Krankenhaus, Gefängnis, Anklageverlesung
Die Polizei vollstreckte den Haftbefehl im Cardinal Santos Medical Center in San Juan City, wo Romualdez stationär behandelt wurde. Innenminister Jonvic Remulla sprach laut OCCRP von einem kardiovaskulären Ereignis, instabilem Blutdruck und einer Angstattacke. Romualdez stand unter Polizeibewachung.
Nach Angaben des Philippine Daily Inquirer verbrachte er fast eine Woche im Krankenhaus, bevor er ins New Quezon City Jail verlegt wurde. Am 16. September wurde er im Rollstuhl per Video zugeschaltet und plädierte auf nicht schuldig. Das Gericht gab seinen Anwälten zehn Tage, um darzulegen, warum er nicht vorläufig seines Amtes enthoben werden sollte. Eine Anwältin kündigte einen Kautionsantrag an; bei Plünderung ist eine Kaution ausgeschlossen, wenn die Beweislage stark ist.
Laut Inquirer hat das Gericht Co zum flüchtigen Straftäter erklärt; Serenio und Guevarra sind weiter auf freiem Fuß. Bereits im April 2026 hatte der Sandiganbayan auf Antrag der Ombudsstelle ein vorsorgliches Ausreiseverbot gegen Romualdez verhängt. Der Inquirer berichtete zudem, dass noch bei der Ombudsstelle anhängige Beschwerden eine größere Summe von rund 56 Milliarden Pesos betreffen; das nun vor Gericht verhandelte Verfahren umfasst 7,44 Milliarden.
Die Stellungnahmen
Romualdez’ Anwalt Ade Fajardo erklärte, sein Mandant werde sich den Vorwürfen im Rechtsweg stellen und verlange keine Sonderbehandlung. „Wir respektieren die Gerichte und das rechtliche Verfahren“, sagte er laut OCCRP. Romualdez hat auf nicht schuldig plädiert. Der Präsidentenpalast erklärte, er respektiere die Entscheidung der Ombudsstelle; wer Unrecht begehe, müsse zur Rechenschaft gezogen werden, ob Verwandter, Verbündeter oder Gegner des Präsidenten. Co hat sich am Verfahren nicht beteiligt.
Offene Fragen
Auf welchen Aufträgen und welchen Bauunternehmen beruht die Summe von 7,44 Milliarden Pesos, und auf welchem Weg sollen die einzelnen Zahlungen geflossen sein? Welche Rolle soll ein Devisenunternehmen bei der Weiterleitung des Geldes gespielt haben? Und werden die größeren Beschwerden, die sich noch im Vorverfahren befinden, vor Gericht kommen?
Die Feststellung eines hinreichenden Tatverdachts durch den Sandiganbayan eröffnet das Hauptverfahren; sie ist keine Feststellung von Schuld. Die hier zusammengefassten Vorwürfe geben die Position der Anklage wieder, wie OCCRP und der Philippine Daily Inquirer sie berichten. Für alle vier Angeklagten gilt die Unschuldsvermutung.
Auf Grundlage von Berichten von: OCCRP · 8. September 2026; Philippine Daily Inquirer · September 2026; Sandiganbayan, Dritte Kammer · Beschluss in E-SB-26-CRM-0074, Volk der Philippinen gegen Romualdez u. a. · 7. September 2026.
Quelldokumente
03- OCCRP · 8. September 2026Kein öffentlicher Link angegeben
- Philippine Daily Inquirer · September 2026Kein öffentlicher Link angegeben
- Sandiganbayan, Dritte Kammer · Beschluss in E-SB-26-CRM-0074, Volk der Philippinen gegen Romualdez u. a. · 7. September 2026sb.judiciary.gov.ph
Dossier-Aktualisierungen
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Redaktioneller Recherchestatus erfasst.
Redaktioneller Hinweis
Dieses Recherche-Briefing fasst die Berichterstattung von OCCRP und dem Philippine Daily Inquirer sowie den oben zitierten Beschluss des Sandiganbayan zusammen. The Ledgers hat die Anklageschrift der Ombudsstelle und die zugrunde liegenden Beweise nicht eingesehen; Zitate stammen aus der Berichterstattung von OCCRP. Die Vorwürfe werden bestritten und sind gerichtlich nicht geprüft. Die Illustration ist KI-generiert und zeigt kein tatsächliches Ereignis und keine reale Person.
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